DER FORMENREICHTUM DES PLANKTONS

Planktonmikroskopie, ein kurzer Erfahrungsbericht von Dr.Klaus Spiekermann

Ich beschäftige mich seit Anfang 2010 mit der mikroskopischen Untersuchung von Wasserproben. Die Vielfalt der Formen und die Überlebensstrategien der kleinen Wasserbewohner faszinieren mich. Ist es nicht erstaunlich, dass ein Einzeller wie Paramaecium alle für das Leben wichtige Funktionen in einer Zelle enthält? Bewegung durch die Koordination tausender Wimpern, Nahrungsaufnahme durch einen Schlund mit Verdauung in Vakuolen und verschiedene Formen der Fortpflanzung funktionieren in diesem "einfachen" Organismus so gut wie in einem Rädertier, das aus ca. 1000 spezialisierten Zellen besteht. Die Auseinandersetzung mit diesen Organismen trägt zu einem tieferen Verständnis bei, was Leben ausmacht und was Pflanzen von Tieren unterscheidet.

Die Digitalfotografie ermöglicht es, Planktonorganismen mit vertretbarem Aufwand zu dokumentieren. Es ist mir immer wieder eine große Freude, neue Organismen zu entdecken, zu bestimmen und so gut wie möglich abzulichten. Als Anfänger ist es hilfreich, sich mit anderen Mikroskopikern auszutauschen. Die Welt der Mikroorganismen ist komplex! Ich nutze dazu das Internetforum Mikroskopie Forum - Index und vor allem den Austausch in den Gruppen der Mikro Hamburg von Frau Pieper (Planktongruppe) und Dr. Rosenfeldt (Mikrogruppe). Ich kann jedem Anfänger empfehlen, sich einer solchen Gruppe anzuschließen. Jeder Neuling, der sich ein Mikroskop anschaffen will, sollte erfahrene Kollegen zu Rate ziehen und wird so manche teure Fehlinvestition vermeiden.

Meine eigene Ausrüstung besteht aus dem Mikroskop Jenamed2 von Carl Zeiss Jena aus den 1980er Jahren mit verschiedenen Kontrastverfahren (Dunkelfeld, Phasenkontrast und Differentialinterferenzkontrast) und der Kamera Canon EOS 60D. Die meisten Teile habe ich gebraucht gekauft. Ich bin auch in der glücklichen Lage, einen Blitz nutzen zu können, was für das Fotografieren sich schnell bewegender Organismen sehr hilfreich ist. Diese Ausrüstung ist für die Planktonmikroskopie ideal. Ich habe etwa zwei Jahre benötigt, meine Ausrüstung zu vervollständigen. Dabei habe ich leider auch manchen Umweg genommen und Lehrgeld gezahlt, weil ich zu ungeduldig war, auf guten Rat verzichtete und vorschnelle Käufe tätigte.

Seit kurzem züchte ich Einzeller; ein Reiskorn genügt als Futter für Wochen. So habe ich Organismen in großen Mengen zur Verfügung und versuche durch Färben und Imprägnieren mehr über ihren Aufbau zu erfahren. Bei Ausflügen habe ich jetzt häufig ein Probenglas mit, eine Probe ist schnell genommen und die Freude ist groß, wenn zu Haus ein neuer Organismus beobachtet werden kann. Am Jahresende belohne ich mich mit einem Bildband meiner schönsten Aufnahmen.

Wissenschaftlich gesehen zählen nur Organismen, die permanent im Wasser schweben, jedoch nicht in der Lage sind, gegen Wasserströmungen anzuschwimmen, zum "Plankton". Je nach Größe unterscheidet man "Makroplankton" (z.B. Quallen), "Mesoplankton" (z.B. Fischlarven), "Mikroplankton" (Organismen zwischen 1000 um und 10 um, also "Netzplankton") und "Nanoplankton" (Organismen unter 10 um, die man nur mit Hilfe geeigneter Anreicherungsmethoden zu Gesicht bekommt). Amateurmikroskopiker zählen dagegen alle Organismen, die man mit einem guten Planktonnetz fangen kann, zum "Plankton", auch wenn viele dieser Organismen nur zufällig ins freie Wasser gespült werden.

Hamburg, Mai 2012, Dr.Klaus Spiekermann

Diese drei Arten zählen zu den echten Grünalgen, allerdings ist nur Pediastrum eine Planktonform. Die beiden anderen Arten findet man im nassen Moos von Mooren, aber auch nicht selten in Netzfängen. Besonders formschön sind die Verwandten von Micrasterias - man nennt diese Algenruppe auch "Zieralgen".
       
Flagellaten stehen zwischen dem Tier- und Pflanzenreich, denn sie sind neben der Photosynthese auch auf Nährstoffe aus der Umgebung angewiesen. Gemeinsam sind allen Arten Geißeln, mit denen sie sich aktiv fortbewegen können. Koloniebildung ist nicht selten, besonders eindrucksvoll sind die beweglichen Kolonien von Volvox.
       
 
       
 
       
     
       
Kieselalgen sind gewöhnlich Aufwuchsorganismen, wie die hier gezeigten Arten. Bemerkenswert ist, dass die zweiseitig-symmetrischen Formen auf einem Schleimfaden kriechen können. Im Süßwasser kommen nur wenige planktische Formen vor, man findet jedoch stets alle möglichen nicht-planktische Formen im Netzplankton.
       
Amoeben leben fast ausschließlich im Schlamm, es gibt aber auch sehr zarte planktische Arten, wie z.B. das "Sonnentierchen" (Actinophrys sol).
       
Wimpertierchen (Ciliaten) zählen zu den wohl elegantesten Formen, die man in Planktonfängen beobachten kann, auch wenn es sich bei den meisten Arten entweder um Aufwuchsformen handelt oder aber um Bewohner der Grenzschicht zwischen Wasser und Sediment. Für die Mikrofotografie ist eine Blitzeinrichtung sehr hilfreich.
       
 
       
In keiner Planktonprobe fehlen die bizarren Rädertiere (Rotatorien), die sich mit großer Geschwindigkeit durchs Gesichtsfeld bewegen. Ihr Formenreichtum ist unerschöpflich, zudem zeigt das jeweilige Artenspektrum die Wasserqualität an.
       
 
       
 
       
   
       
  In jeder Planktonprobe findet man bizarr geformte Kleinkrebse, deren Formenvielfalt unerschöpflich zu sein scheint.
       

 

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