Glyceringelatine

Glyceringelatine erhält man in jeder Lehrmittelhandlung, ferner kann man sie über die Firma CHROMA direkt beziehen.

Umgang mit Glyceringelatine ("GG"): GG schmilzt bei etwa 60 oC. Da mehrfaches Aufschmelzen die Qualität vermindern kann, schmilzt man GG einmal mit heißem Wasser auf und verteilt die geschmolzene GG dann auf zahlreiche möglichst kleine Probegläschen, die man sehr sorgfältig verschließt. Vor der Verwendung stellt man dann eines der Gläschen für einige Zeit in heißes Wasser. Um beim Präparieren Luftbläschen zu vermeiden, entnimmt man die geschmolzene GG mit einem Glasstab und nicht mit einer Pipette. Die öfters empfohlene Methode, GG-Blöckchen zu entnehmen und dann auf dem Objektträger zu schmelzen ist nicht empfehlenswert, da dann zahlreiche Luftbläschen entstehen. Keinesfalls darf man GG mit einer Flamme zum Sieden erhitzen!

Material: Zieralgen, Fadenalgen, Moosblättchen, Pollen, Sporen, Vorkeime, Archegonien, Kleinkrebse, panzertragende Rädertiere, Kleininsekten, Kleinspinnen, Milben, Zecken.

Vorbereitung: Die Objekte werden mit einer 4%-igen Formalinlösung übergossen (10 ml Wasser plus 1 ml Formalin conc.), worin man sie einen Tag beläßt. Danach überführt man in ein großes Uhrglas oder in eine flache Schale, gießt die Fixierlösung ab und übergießt mit einer 5%-igen wässrigen Glycerinlösung. Dann läßt man mehrere Tage an einem staubfreien Ort stehen, wobei das Wasser weitgehend verdunstet. Gelegentlich müssen die Objekte hierbei in die Mitte der Schale geschoben werden, damit sie nicht am Rande eintrocknen! Durch diesen Vorgang werden die Objekte schonend entwässert und es treten keine Schrumpfungen auf. Schließlich setzt man noch reines Glycerin zu. In reinem Glycerin (DAB-Glycerin, wasserfreies Glycerin ist unnötig teuer und zudem weniger geeignet) sind die Objekte unbegrenzt haltbar.

Oft ist es praktischer, die fixierten (und gefärbten) Objekte gleich auf einen Objektträger aufzubringen, die Flüssikeit weitgehend zu entfernen und mit zwei großen Tropfen 5%iger Glycerinlösung zu bedecken, die man einige Tage lang eindunsten läßt (oder einen Tag lang im Trockenschrank bei 50 oC). Ein völliges Austrocknen ist nicht zu befürchten, da das Glycerin zurückbleibt. Auf diese Weise wird beim Einschluß in GG das Einschlußmittel nicht unnötig mit Glycerin "verdünnt".

Färbung: Eine Färbung ist nicht unbedingt erforderlich. Als Färbelösung kommt nur Alizarinviridin-Chromalaun (blaugrün) und Kernechtrot-Aluminiumsulfat (rot) infrage, da alle anderen Färbungen in GG nicht stabil sind. Man übergießt das Material nach dem Fixieren mit der verdünnten Färbelösung und läßt diese einen Tag einwirken. Danach wäscht man mehrfach mit Wasser und übergießt erst dann mit der verdünnten Glycerinlösung. Eine Überfärbung ist nicht zu befürchten.

Einschluß: Man benötigt kleine Deckgläschen (12 mm) und große Deckläschen (20 mm). Runde Deckgläschen ergeben schönere Präparate, sind allerdings erheblich teurer als quadratische. Ferner benötigt man ein in Toluol oder Xylol gelöstes Einschlußmittel (z.B. künstlichen Canadabalsam). Eine sehr spitze "Uhrmacherpinzette" ist sehr hilfreich.

Zunächst bringt man die Objekte auf das kleine Decklas, wobei man möglichst wenig Flüssigkeit mitnimmt, und überdeckt mit einem großen Tropfen GG. Sollte die GG hierbei fest werden, erwärmt man sehr (!) vorsichtig über einer Spiritusflamme. Nun dreht man das Deckglas um (Uhrmacherpinzette!), so daß der GG-Tropfen an der Unterseite hängt, und legt das kleine Gläschen mittig auf das große Gläschen (s.Abb.). Hierbei darf ruhig etwas GG seitlich austreten. Danach legt man die Präparate waagerecht in eine Präparatemappe und läßt sie dort mehrere Wochen trocknen, wobei die GG schrumpft. Man kontrolliert von Zeit zu Zeit und füllt ggf. vom Rande her GG nach.

Nach dem Trocknen entfernt man ausgetretene GG mit einer Rasierklinge und reinigt den Rand des großen Deckgläschens mit Spiritus. Es darf kein Glycerin und keine GG mehr vorhanden sein! Dann bringt man auf einen Objektträger einen großen Tropfen Einschlußmittel auf und legt das Deckglaspaar mit dem kleinen Deckglas zuunterst auf (s.Abb.). Nach dem Aushärten des Einschlußmittels ist das Präparat fertig. Es muß waagerecht gelagert werden.

Hinweise: Enthält die GG noch zu viel Wasser, so verdunstet dieses im Laufe von Monaten durch den Canadabalsam hindurch, denn kein Lackring oder Einschlußring dieser Welt ist wirklich dicht. Bei diesem Trocknungsprozess schrumpft die GG und Canadabalsam wandert zwischen die Deckgläschen, wodurch das Präparat verdirbt. Man muß sich also mit dem Trocknen der GG Zeit lassen! Der Canadabalsam dient eben nicht dazu, das Präparat hermetisch abzudichten, er soll lediglich das Deckglaspaar fixieren und das Eindringen von Bakterien und Pilzen verhindern.

Einschluß in Glycerin: Die hier beschriebene "Doppeldeckglasmethode" wird auch von Profis angewendet, wobei häufig statt in GG in Glycerin eingeschlossen wird, denn dann kann das zeitaufwändige Trocknen entfallen und die Präparate können sofort fertig gemacht werden. Voraussetzung ist hierbei allerdings, daß die Glycerinschicht zwischen den Deckgläschen sehr dünn ist, da sonst Balsamtropfen eindringen. Außerdem darf der Balsam nicht zu dünnflüssig sein und das Lösungsmittel sollte rasch verdampfen, auch dies, um das Eindringen des Harzes in das Glycerin zu vermeiden (in Toluol gelöste Harze sind dann günstiger als solche, die in Xylol gelöst sind). Glycerinpräparate müssen natürlich erst recht waagerecht gelagert werden.

 

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